Wien

Unseren zweiten Day off in Folge nutzen wir für die Anreise nach Wien. 1199km liegen bereits hinter uns. Der Hesse und ich fahren etwas später los als geplant, sammeln bei Würzburg FaPi mit ein und fahren gemütlich Richtung Süden. Am späten Abend dort angekommen setzen wir FaPi an seinem Hotel ab und für uns steht die Suche nach einem Rastplatz zur Übernachtung an - ich bin inzwischen recht müde und damit einigermaßen unleidlich.

Zudem kenne ich mich in und um Wien nur wenig bis gar nicht aus, eine für mich naheliegende Informationsquelle ist eine Tankstelle. Diese wird angesteuert und enttäuscht mich. Leider kann mir dort keiner sagen, wie ich am schnellsten auf die Autobahn und auf einen Rastplatz gelange. Da ich kein besonders geduldiger Mensch bin und auch meine Navi-App nicht das macht, was ich von ihr erwarte ist mein Handy kurz davor durch den Bus zu fliegen. Der Hesse mit seiner ruhigen Art rettet uns beide. Von Tina, einer Einheimischen die ich im Jahr zuvor kennen und schätzen lernen durfte bekommen wir den rettenden Tipp, wir steuern die Raststätte Guntramsdorf an. Es ist unglaublich windig, dennoch klappen wir dort das Dach hoch, lassen den Abend ausklingen und machen uns im Bett breit.


Nach einer stürmischen Nacht mit wenig Schlaf, Todesängsten und Visionen von Bus-umschmeissenden Winden steige ich glücklich aus dem Bus. Wir machen uns etwas frisch und dann gegen Mittag wieder auf, nach Wien hineinzufahren. Auch heute ist es sehr stürmisch. Die Parkplatzsituation in Wien ist eine Katastrophe, mein Auto jedoch zu hoch für jegliche Parkhäuser an denen wir vorbeikommen. Ich resigniere irgendwann und stelle mich in die Märzstraße. Hier darf man zwar stehen, aber nur auf Zeit. Wir beschließen es darauf ankommen zu lassen – man wird uns ja nicht gleich abschleppen – und genießen erst mal ein Sandwich um uns von den Strapazen der Fahrt zu erholen. Unseren Standort haben wir auch schon durchgegeben und so stößt auch FaPi bald wieder zu uns. Wolfi und seine Kumpane sind noch auf der Suche nach dem Schönheitsstudio welches sich auf der anderen Straßenseite befindet und das von uns als Standortmarkierung kommuniziert wurde. Als nun auch diese Truppe eingetroffen ist und wir nun zumindest ein paar Einheimische was das Land betrifft um uns haben, erfahren wir auch, das wir doch lieber ein Ticket lösen sollten. Nur wie und wo? Und vor allem, wer parkt das Auto nach Ablauf der Zeit um? Wolfi weiß sich zu helfen und holt kurzerhand einen Ordnungsbeamten an den Bus. Der erklärt uns eine viertelstunde lang das Wiener Parksystem bevor er uns nach einem "Was riecht denn hier so?" grinsend verlässt. Muss das Sandwich gewesen sein. Wir gehen seinen Tipps nach, kaufen im Traffik 5 Parktickets zu je 2 Stunden, legen diese in der Windschutzscheibe aus und vertrauen auf die in Aussicht gestellte Kulanz der Wiener Ordnungshüter. Jetzt kanns losgehen, Richtung Halle.


Dort angekommen setzen wir uns ins Hitcafe und warten auf die Öffnung der Tore. Wiener sind offenbar sehr gesellig und so haben wir bald Gesellschaft an unserem Tisch. Nachdem sie mitbekommen, das der Hesse und ich die ganze Tour fahren geben sie zu, neidisch zu sein. Kann ich zu diesem Zeitpunkt absolut nicht nachvollziehen, wir sitzen da wie wandelnde Tote, unfassbar müde von der Nacht fast ohne Schlaf. Am besten hilft dagegen frische Luft und so stellen wir uns gegen 17 Uhr am Einlass an. Inzwischen sind auch unsere beiden Kärntner angekommen, die Freude auf allen Seiten über das Wiedersehen ist groß. Um 18:30 Uhr beginnt der Einlass und wir kommen zügig in die Halle und marschieren durch in die erste Welle. Es gibt hier Bändchen (übriggebliebene Reste einer vergangenen Veranstaltung) aus Stoff – edel. Unser Österreicher trägt sein selbstkreiertes "Ich hasse Pferde – Risiko"-Shirt und erntet dafür ab und an missbilligende Blicke oder wird in Diskussionen verwickelt. Es scheint noch nicht jeder mit dem neuen Material vertraut. Ich mache noch mal einen Abstecher Richtung Garderobe um Tina Hallo zu sagen und ein paar Worte zu wechseln. Leider ist die erste Welle inzwischen voll, so dass wir sie und ihre Begleitungen nicht mehr mitnehmen können. Sowohl die

Garderobe als auch Oropax sind hier übrigens kostenfrei – ein sehr angenehmer Service.


Zu Beasto Blanco gibt es im Grunde nichts neues zu berichten, auch die Sängerin fehlt noch immer. Dafür betreten die Onkelz dann vollständig und wie immer pünktlich die Bühne, herbeigerufen durch "Oh wie ist das schön"-Gesänge des Publikums. Nach der Neuaufnahme der Live in Dortmund rechnet wir schon fest mit der Ankündigung, heute Abend Live in Vienna II aufzunehmen, diese bleibt jedoch aus. Dafür gibt es beim ersten Song eine Panne. Kevins Einsatz ist falsch, offenbar funktioniert sein In-Ear-Monitor nicht. Ein bisschen der Wurm ist heute wohl drin, denn auch Pe hat später Probleme mit seinen Drums und Stephan beklagt seine Heiserkeit. Das Konzert mit unseren Freunden aus der Nähe und Ferne macht unheimlichen Spaß, wir feiern den "betrunkenen Matrosenchor", hassen gemeinsam Pferde und gehen auf Risiko. Insgesamt ist die Stimmung super, wenn es auch wenig Pogo gibt. Liegt aber evtl an der Stadt selbst, bei Rise Against konnte ich im vorigen Jahr auch nur wenig Pogo entdecken. War sogar die gleiche Halle. Könnt also auch an der Location liegen haha.

Stephan, Gonzo und Kevin erinnern sich gemeinsam an die Aufnahmen zur Live in Vienna zurück, an die Nazis im Publikum und wie Kevin einem sein Mikro auf den Kopf gehauen hat, so dass dieser blutete. Ein kollektives schwelgen in Erinnerung, nicht nur auf der Bühne. Dieses Konzert hätte wegen mir noch ewig weiter gehen können, wir hatten wirklich viel Spaß miteinander und Wien ist ab sofort kein Dunkler Ort mehr für mich. Es wurde in dieser Nacht rehabilitiert.


Draußen machen wir noch ein Foto mit dem Banner und laufen dann Richtung einer Kneipe namens "Escape", welche eine Onkelzparty für heute angekündigt haben. Die Kneipe ist nur wenige Minuten von der Halle entfernt und wir kämpfen uns gemeinsam durch den STURM, werden dabei fast weggeweht (sowas hab ich ohne Scheiss noch nie erlebt) um dann festzustellen, das der Laden so voll ist, das er droht aus allen Nähten zu platzen. Auch den Betreibern sollte nun klar sein, das diese Idee bei der Nähe zur Location nicht unbedingt die Beste war. Dem Hesse und mir ist es zu voll und so verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg zum Bus um dann mit einem Zwischenstop bei McDonalds wieder auf den Rastplatz der Vornacht zu fahren. Heute lassen wir das Dach unten und klappen die Rückbank zur Liegefläche um – eine weitere Nacht ohne Schlaf wegen des Sturms halten wir beide für nicht besonders gesund. Wir haben noch eine Idee für die beiden Off-Tage bis Zürich die wir sogleich mit dem Kärtner Gespann abklären, so ist der Plan für den nächsten Tag auch klar. Irgendwann machen wir die Augen zu, das Auto schaukelt wie ein Schiff und uns in den Schlaf.


Morgens stehen wir gemütlich auf und fahren ein letztes Mal nach Wien rein um die beiden Österreicher einzusammeln. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg nach Kärnten wo wir unser Nachtlager im Wohnzimmer aufschlagen dürfen. Es folgen gesellige Stunden mit den Zwillingen und in der Küche, es wird getanzt, gebastelt und getrunken wird auch. Am Ende stehen drei Vögel und ein Kater (der steht aber nicht sondern lauert dem Hesse im Nacken).

"Etwas hässlich und anders, etwas hessisch und anders
Ja stimmt, etwas dreckig und langsam
Genau hier, wo es die Besten im Land hat, wo das Hasch raucht, Schlappmaul, teste die Frankstadt!" (V)


Ich bin Frankfurter, ich kann mein Gesicht niemals nach unten halten und wenn Gott es will ist diese Eigenschaft mein Untergang!

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