Stuttgart II

Irgendwie ist das ein irres Gefühl aufzuwachen und bereits vor der Halle zu sein. Der Parkplatz ist bis auf eine Fahrschule noch völlig verwaist. Wir stehen gemütlich auf, packen langsam unsere Waschsachen zusammen und begeben uns gegen halb zwölf in Richtung der Toiletten. Ein Ordner weist uns darauf hin, das man auf dem Parkplatz nicht übernachten darf. Kein Problem, haben wir nicht (mehr) vor.

Nach der Morgentoilette machen wir ein wenig klar Schiff im Bus und dann haben wir noch ein paar Stunden Zeit, die wir uns zu vertreiben wissen. Als nächstes steht ein Besuch bei einem in der Nähe gelegenen Supermarkt an. Firma jedoch unterhält sich gerade mit einem Flaschensammler, den er auf dem Parkplatz getroffen hat. Der Hesse und ich entspannen uns derweil ein wenig im Bus und nach Ewigkeiten der Unterhaltung (wir wundern uns, was dieser Mensch wohl so alles zu erzählen hat) ist Firma wieder bei uns und wir laufen los Richtung Supermarkt. Gefühlt sind wir kilometerweit gelaufen und ich bin froh, als wir wieder im Bus sitzen. Immerhin haben wir so auch ein wenig von Stuttgart gesehen.


Wir vertreiben uns die weitere Zeit mit dem Üben des schnellen Parts bei "Auf die Freundschaft", ihr wisst schon "nananananana nananananana nanananananananana nananana EWIGKEIT WIR HABEN STURM GEERNTET WO WIR WIND GESÄT". Also zumindest klang das bislang bei uns so haha. Wir sind guter Dinge, diesbezüglich heute eine bessere Performance abliefern zu können, da bekommen wir Besuch von einem Forenuser. Dernettemann und seine Schwester haben uns gefunden und sitzen eine Weile gemütlich mit uns zusammen. Wir quatschen ein wenig (auch wenn es zugegebenermaßen eine etwas merkwürdige Stimmung ist, da wir uns eigentlich gar nicht kennen) und irgendwann sind die beiden wieder verschwunden. So schnell wie sie aufgetaucht sind, sind sie auch wieder weg. Ich kann bis heute nicht sagen, wann und warum. Dafür können wir kurze Zeit später Micky und Alex am Bus begrüßen und machen uns gegen 18:00 Uhr mit den beiden auf Richtung Halle. Nicht ohne vorher Plätzchen angeboten zu haben, die meine Mutter auf meinen Wunsch hin in Massen produziert hat. Ist schließlich bald Weihnachten.

Nicht nur der Nürnberger sondern auch sein Glubb sind heute hier in Stuttgart am Start und auch wenns sicher eine schwere Entscheidung gewesen sein muss, wir werden ihn in der Halle finden und nicht im Stadion. Was potentielle Nürnbergfans an meinem Bus jedoch nicht finden werden, ist ein Eintracht-Schal, den hat der Hesse nämlich vorsorglich in Sicherheit gebracht. Man weiß ja nie.


In der Halle angekommen suchen wir noch besagten Nürnberger mit seinen Freunden den wir auch recht schnell ausfindig machen können und dann begeben wir uns vor in die zweite Welle, Weidner-Seite.

Bei Beasto Blanco ist immer noch keine weibliche Sängerin zu sehen und auch sonst niemand, der als Tochter von Alice Cooper herhalten könnte. Gerüchteweise soll sie noch dazustoßen. Ansonsten ziehen die wie immer ihr Ding ab, Firma tanzt begeistert zu den Songs, ich kann sie inzwischen zumindest stellenweise etwas mitsingen aber zum großen Fan werde ich wohl nicht mehr.


Die Stimmung bei den Onkelz ist wie den Tag zuvor sehr gut. Ich muss meine Aussage, Stuttgart sei laut nicht revidieren, das Publikum hat Bock.

Unser zuvor lange geübter Part bei "Auf die Freundschaft" klappt, hochkonzentriert singen wir so laut wir können mit. Bei "Wo auch immer wir stehen" sehe ich einen sehr ergriffenen Nürnberger und auch ich werde von dem Lied immer aufs Neue gepackt, steht es doch auch ein ganz klein bisschen für diese Reise, die wir hier angetreten sind. "Wir sind so weit gereist, tagaus tagein". Wenn man sich im Publikum umsieht, merkt man schnell, uns geht’s da wie jedem zweiten hier im Raum.

Nach dem Konzert treffen wir noch Uschj und Caviezel, die extra aus der Schweiz angereist sind und die wir noch einige Male wiedersehen werden auf dieser Tour. Man drückt sich noch schnell, verabschiedet Micky und Alex und natürlich auch die Schweizer und dann machen wir uns langsam auf den Weg zurück zum Bus um die Rückfahrt nach Frankfurt anzutreten. Vor uns liegen zwei Tage Pause und eine Fahrt nach Wien.


Unseren ersten der beiden freien Tage verbringen wir größtenteils auf der Couch beim Schauen von Dokus, zum Beispiel einer zum Thema Unterwasserfotografie. Daneben bauen wir uns eine Eselsbrücke für die Setlist, die können wir nämlich nach sieben Konzerten immer noch nicht auswendig. Der Hesse fragt uns ab und wir bauen Stück für Stück unsere Brücke. So sieht diese am Ende aus:


"Gott hat ein Problem" geht direkt über in "10 Jahre" danach leihen wir Stephan unsere Stimme und zeigen ihm unsere Hände "Finde die Wahrheit". Es folgt das zweite neue Lied des Abends, "Irgendwas für nichts". Bock auf nen alten Schinken? "Nie wieder" geht direkt über in "Gehasst, verdammt, vergöttert". Nummer Sieben ist "Auf die Freundschaft" gefolgt vom "Schutzgeist der Scheiße". "Lieber stehend STERBEN", "Nur die Besten STERBEN jung". In Frankfurt II (mein ich) hat Stephan die Ansage zum folgenden Lied mit dem Vorgänger vertauscht, was im Grunde so unpassend ist, dass man die Songfolge nicht vergessen kann. "Jeder kriegt was er verdient" nämlich einen "Dunkler Ort". Danach verschenken wir einen Tag - "Wiedermal nen Tag verschenkt" - und dann ein ganzes Jahr - "52 Wochen" - daher "Danke für nichts". Dann machen wir noch mal Krach für den "Bomberpilot" und es geht erst mal wieder runter - "Wo auch immer wir stehen". Diese Stelle ist die einzige im Konzert wo zwei neue Lieder aufeinander folgen - "Machs dir selbst". Es folgt Gonzos Solo und mit "Auf gute Freunde" die Einleitung in den Zugaben-Block. "Wir ham noch lange nicht genug", "Kirche", endlich "Mexico" und zum Abschluss "Erinnerung".


Nebenbei organisieren wir Firma noch eine Mitfahrgelegenheit in die Heimat, er wird bei unserem Auslandseinsatz aussetzen. Gegen sieben reist er ab, der Hesse und ich schauen noch ein paar Filme und schlafen irgendwann ein.

"Etwas hässlich und anders, etwas hessisch und anders
Ja stimmt, etwas dreckig und langsam
Genau hier, wo es die Besten im Land hat, wo das Hasch raucht, Schlappmaul, teste die Frankstadt!" (V)


Ich bin Frankfurter, ich kann mein Gesicht niemals nach unten halten und wenn Gott es will ist diese Eigenschaft mein Untergang!